21.07.1971

 

vor 40 Jahren

 

Zugunglück

 in Rheinweiler

 

aktualisiert am:04/01/12

 H.Seidt

Luftbilder H.Lamp

1991

Gedenkstein-Einweihung

bei der Absturzstelle

Es starben in Rheinweiler

23 Menschen

 

es waren 15 Deutsche

3 Amerikaner

2 Schweizer

1 Türken

1 Schwede

1 Norwegerin

das Unglück hätte noch schlimmer werden können, wenn

der Regionalzug keine Verspätung gehabt hätte, denn bei planmäßiger Abfahrt aus dem Bahnhof Rheinweiler, wären

sie in der Kurve aufeinander getroffen

die Unglückskurve

links das Haus Fräulin

das zerstört wurde

der Unglückszug

im Frühjahr 1971

vor 40 Jahren

 

am 21.07.1971

 

hat sich in Rheinweiler ein schweres Zugunglück ereignet

 

Schweiz-Expreß entgleist: 23 Tote

 

Über 123Verletzte — Waggons stürzen auf ein Haus — Hilfe auch aus der Schweiz und Frankreich — Überhöhte Geschwindigkeit?

 

Nach Angaben der Bundesbahn war der Schweiz-Expreß Basel-Kopenhagen (D 370-Lok-103 106-1) aus zunächst noch nicht geklärten Gründen

um 13.20 Uhr vor der Einfahrt in den Bahnhof Rheinweiler, in einer scharfen Rechtskurve entgleist.

Die Lokomotive und sechs der acht Waggons stürzten eine fünf Meter hohe Böschung hinunter. Augenzeugen vermuten, das der Zug zu schnell

gefahren ist. In der Kurve besteht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 75 Kilometern in der Stunde.

Der Zug sei  schneller als gewöhnlich gefahren, hieß es.

Unter den Todesopfern befindet sich auch der Lokomotivführer.

 

Als Ursache wurde später ein Defekt bei der AFB (Automatischen Fahr und Bremssteuerung) festgestellt

 

Am 21. Juli 1971 ereignete sich das schwere Zugunglück bei Rheinweiler. Die halbautomatische Geschwindigkeitssteuerung der Loks, bestehend aus der Automatischen Fahr- und Bremssteuerung (AFB) und der Linienzugbeeinflussung (LZB) war für die Katastrophe mitverantwortlich: Gegen den Willen des Triebfahrzeugführers hatte die Steuerung den Zug statt auf 120 auf 140 km/h beschleunigt, was ihn außer Stande versetzte, den Zug vor der engen Kurve vor Rheinweiler auf die zulässige Geschwindigkeit von 70 km/h abzubremsen. Hierdurch verlor der Zug die Gleisführung und zerstörte mehrere Häuser unterhalb des Bahndammes. Die Lok 103 106-1 stürzte in eine Baugrube, wurde schwer beschädigt und deshalb noch am Unfallort zerlegt. [EJ S 17] Die anschließende Untersuchung des Unglücks hatte zur Folge, dass man die Benutzung des AFB vorübergehend untersagte, bis technisch Abhilfe geschaffen wurde. [EJ S 17

Als Unglücksursache wurde zunächst ein Defekt bei der AFB der E-Lok der Baureihe 103 mit folgendem plötzlichen Schaltwerkshochlauf angenommen; in mehreren späteren Gerichtsverfahren wurde allerdings eine Dienstunfähigkeit

 des Lokführers zum Unglückszeitpunkt als wahrscheinliche Ursache zugrunde gelegt

Quelle bei Wikipedia

 

Die Einwohner von Rheinweiler waren durch ohrenbetäubenden Lärm aufgeschreckt worden. Zeugen berichteten, der Zug sei allem Anschein nach mit unverminderter Geschwindigkeit in die Kurve gefahren und mit allen Waggons gleichzeitig entgleist.

 

Damalige Augenzeugen: Doris Basler: Ich schaute gerade aus dem Fenster, als ein zuerst undefiniertes Dröhnen und ein ohrenbetäubender Krach folgte: ich sah plötzlich wie zwei Waggon durch die Luft flogen.

 

 

Fliesenlegermeister Walter Schillinger und Maler Franz Benner, waren in dem Neubau: sahen vom Fenster aus plötzlich eine Lokomotive auf sich zufliegen,

 die sich in die angrenzende Baugrube bohrte, sie rannten aus dem Haus um den Verletzten beizustehen und zu helfen.

zwei Meter bewährten sie vom Tod,

als die Lok und der erste Wagen in das Gelände krachte

 

die Lok und sechs Wagen

stürzten den Hang hinunter

die Lok auf dem kopf liegend in der Baugrube.

Wagen Nr.2 zerstörte das Wohnhaus Hugo Fräulin

der sechsjährige Sohn Hubert starb in den Trümmer

der Vater und Mutter wurden schwer verletzt.

 

Luftbilder:H.Lamp

 

 

Der zweite Wagen hat das Wohnhaus völlig zerstört bis auf die Grundmauer und wurde selbst wie eine Blechschachtel zusammengedrückt

es waren 2 Hubschrauber des Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann"

 aus Bremgarten

und 10 Hubschrauber

der französischen Armee aus Müllheim im Einsatz

 

Bürgermeister Edmund Stächele

der von 19.12.1948 bis 06.06 1974

25 Jahre Bürgermeister von Rheinweiler war

 

Der Bürgermeister Edmund Stächele, gab Katastrophenalarm und ein große Hilfswelle ist in Gang gesetzt worden, die Männer der kleinen

Dorffeuerwehr Rheinweiler wurden durch Sirenenalarm zu Hilfe gerufen und waren als erste Helfer, sowie die Einwohner von Rheinweiler an der Unglückstelle, sie konnten aber mit Ihren bescheidenen Hilfsmittel bei der Größe und schwere der Katastrophe nur die Verletzten bergen und

 erste Hilfe und Notversorgung machen.

 

in der Poststelle, im Hause des Bürgermeisters,

 die von Erna, der Frau des Bürgermeisters, geleitet war wurde ein erstes Notrufzentrum eingerichtet

 

Bürgermeister
 Edmund Stächele
in seiner Küche, die als schnelle Einsatzzentrale

 dienen musste

Bilder. Stächele E.

im Haus des Bürgemeister
Edmund Stächele,
trafen sich Bundesbahnpräsident
Günter aus Karlsruhe,
Staatssekretär  Holger Börner
Landrat Allgaier
aus Müllheim
und etliche Sachverständige

 

21.07.71

Fahrplan

Basel-Rheinweiler

Als erste Helfer waren die Männer der kleinen Dorffeuerwehr Rheinweiler und Anwohner aus Rheinweiler an der Unglückstelle,

sie konnten aber mit Ihren bescheidenen Hilfsmittel bei der Größe und schwere der Katastrophe nur die Verletzten bergen und erste Hilfe und Notversorgung machen.

 

das war die damalige Feuerwehr von Rheinweiler, beim Unglück
Bild von 1966
beim Silbernen Leistungswettkampf

in Bamlach

im Bild von rechts vorne

Kommandant: Hugenschmidt Ludwig, Bächlin Willi, Kaus Rudolf, Höferlin Gerhard,

 Stächele Norbert, Dosenbach Gerhard +

hintere Reihe, von rechts

Marggrander Oskar +, Basler Hanspeter, Schöchlin Harald+, Stächele Karl,

links mit Pfeil, Seidt Hansdieter

Fotograf der Homepage

das war das Feuerwehrgerätehaus

Turnhalle und Rathaus

als Katastrophen Zentrum

 

 

Die Gemeinde stellte sofort den Feuerwehrraum zur Aufbahrung der Toten und die Turnhalle zum Aufenthalt der Verletzten zur Verfügung,.

 

  

                                                                        

Karl Stächele

Stellvert. Kommandant

 

 

ein Feuerwehrmann, mit umfassenden Rot-Kreuz Kenntnissen

und Katastrophen-Lehrgängen,
funktionierte den Feuerwehr-Garagenraum zum Notverbandsplatz für die Schwerverletzten um. Mit derselben Umsicht wird von ihm

die Turnhalle zum Sammelplatz für Leicht und Nichtverletzte eingerichtet und mit Tischen und Bänke versehen.
Später werden in derselben Turnhalle die Hilfsmannschaften verköstigt und von Rheinweiler Frauen von der angegliederten

Küche aus mit warmen Tee versorgt.
Auch wurde von der Schwester Oberin Frau Gerspacher, des Rheinweiler Altersheim und weiteren Frauen aus dem Dorf, ein Pendelverkehr mit einem Handwagen zur Unfallstelle gemacht, und die Helfer mit heißem Tee versorgt.


Handwagen mit Milchkanne und Tee für die Helfer


Mitglieder der DRK- Müllheim haben in der Nacht die
  erschöpften Helfer in der Turnhalle, mit Eintopf und heißen Würstchen versorgt.

Es wurden an die eingesetzten Hilfskräfte vom DRK Verpflegungsdienst ausgegeben
768 Frühstücks-Portionen
871 Mittagsessen
1.271 Abendessen
1.310 Zwischenmahlzeiten
630 Liter Kaffee
2.330 Liter Tee
DRK Zugführer Bliedtner war erfreut über seine „Zöglinge“. “Alle machen begeistert mit"

auch das im Ort liegende

Schloss-Rheinweiler-Altenheim

nahm Verletzte auf

und versorgte sie bis zum Abtransport

Feuerwehrkommandant

Ludwig Hugenschmidt

Rheinweiler

für den Brandschutz, während den Schweißarbeiten an den Wagen, wurde eine

 B Leitung vom Rhein zur Unfallstelle verlegt.

von links,

 Gerhard Höferlin, Bächlin Willi,

Hansdieter Seidt

an der Magirus TS 8

Karl Stächele

Stellvertr. Kommandant

Rheinweiler

  

In dem am meisten betroffenen Haus der Familie Fräulin, das vom zweiten Waggon dem Erdboden gleich gemacht wurde, starb der sechsjährige

Sohn Hubert Fräulin, seine Mutter und  Vater wurden schwer verletzt.

Ebenso starb der Senior Volz in dem von einen Waggon zerstörten Haus der

Familie Ritter-Volz unterhalb der Ortstrasse

 

Bilder von

K-Stächele und G.Markworth

Danke

links, H.Seidt, bei der Suche und Bergung unter dem eingestürzten Dach des Haus Hugo Fräulin

Mitte,Ministerpräsident
Hans Filbinger

und

Innenminister von BW
Walter Krause
besuchten die Unglückstelle in Rheinweiler

Hubschrauber auf der Strasse am Bahndamm

transportierten die Verletzten

in die Krankenhäuser

in Freiburg und Basel

französische Armee-Soldaten

räumen den Schutt von Hand

vom zerstörten Wagen

mit französischen Offizieren

zerstörter Wagen

links, Kbm. Maier

mit der Familie Pfitzer, die ihr Habe aus

den Trümmer suchen

Wagen im Haus Ritter

Infusionen am Strassenrand

aufgeschlitztes Dach...

um an die Verletzten und Toten zu gelangen

Abtransport

THW Mitarbeiter mit der Sauerstofflanze

beim zerteilen des Wagen

Bilder von Ernst Lehmann-Polizei

Danke

am 2. Tag

die Lok kopfüber in der Baugrube

rechts im Bild, Ernst Lehmann

Polizei Postenführer

in Schliengen

zuständig für das Zugunglück

THW im Einsatz

der Wagen über dem zerstörten Haus der Familie Fräulin

das zerstörte Garagendach

mit dem Firmenfahrzeug der Familie Schillinger

der Wagen der in das Haus Ritter-Volz...

in den Dachgiebel gekracht ist

Aufräumungsarbeiten - Abtransport

Motorblock der Lok

mit Trennschleifer aufgeschlitztes Dach um an die Verletzten und Toten zu gelangen

Kameramann

Bilder:Basler L. Danke

die Aufräumungsarbeiten beginnen

immer noch Schaulustige

 

Abtransport der Waggonteile...

die Schaulustigen konnten fast

nicht zurückgehalten werden

mit Hilfe des Autokran

Auszüge aus Einsatzberichten

15,30 Uhr

Katastrophen-Einsatzleitung wird gebildet von:

Landrat Allgaier,LA Müllheim,

ORR Gleisner,LA Müllheim, PolDir.Mikuteit,LPD Freiburg, PolR.Schreiber,LPDFreiburg, PolHauptkomm.Waßmer,

PK Müllheim, Kbm Maier,LA Müllheim, Kbm.Leible,LA Lörrach, SBAmtm Zeller, BFFreiburg,Obm LÖsch,DBF Freiburg,

Aus einer statistischen Übersicht der eingesetzten regulären Helferorganisation geht hervor dass aus den

 Landkreisen Lörrach und Müllheim


am Unglücksort 975 Helfer im Einsatz waren

 287 Mann des „Technischen Hilfswerks

 

Die Ortsverbände Müllheim mit 47,Helfern,Schopfheim mit 15 Helfern, Lörrach mit 20 Helfern, Wehr mit 25 Helfern, Rheinfelden mit 21 Helfern

Säckingen mit 12,Tingen/Hochrhein mit 10 Helfern, Waldshut mit 22 Helfern, Laufenburg mit 9 Helfern, Freiburg mit 86 Helfern, Emmendingen mit 10 Helfern, Breisach mit 10 Helfern.


 261 Mann der Berufs-, Werks, und Freiwilligen Feuerwehren

 

Feuerwehr

Alarmzeit

Einsatzzeit 

Stärke-Mann

Fahrzeug

Gerät

FF Rheinweiler

13,20

13,23

17

1 TSF 8

 

FF Bamlach

13,22

13,30

15

1 TSF 8

 

FF Schliengen

13,25

13,35

28

2 TSF 8

 

FF Müllheim

13,34

13,55

32

1  LF 16-TS

 1 LF 8-  TS-

 1 TSF

 

FF Bad Bellingen

13,35

13,50

10

1 TSF 8

 

FF Neuenburg

 13,36

14,10

10

1 LF 8-TS

 

FF Kleinkems

13,45

14,00

16

1 LF 8-TS

 

FF Lörrach

13,48

14,05

53

1 Tro-TLF 16

1 LF 16-TS

1 RW 3

1 Rettungswagen

1 TSF

1 Kdo.-Wagen

 

FF Weil a.Rh

13,54

14,20

13

1 LF 16-TS

1 TSF

 

WF Ciba-Geigy AG

Grenzach

13,58

14,25

15

1 LF 8-TS

1 Rettungswagen

 

BF und FF Freiburg

14,03

14,35

20 BF

 

17 FF

2 LF 16

1 RW 3

1 Kran W.

1 TSF

1 LKW

 

FF Efringen-Kirchen

14,12

14,25

17

1 LF 8-TS

 

 

Bundesbahn-Werkfeuerwehr

Freiburg

Zeit nicht bekannt

 

25

1 TLF 16

1LF 16

1 Geräte-Anhänger

1 LKW


 142 Helfer des „Deutschen Roten Kreuzes“

Die Kreisverbände Müllheim mit 52 Helfern, Lörrach mit 50 Helfern, Freiburg mit 28 Helfern, Emmendingen mit 12 Helfern.


 112  Polizeikräfte aus dem Bezirk Südbaden,

 Landespolizeikräfte insgesamt mit 4 Beamten des höheren Dienstes,13 Beamte des gehobenen Dienstes,95 Beamte,1 Hubschrauber
 

89 Mann des Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“

mit 2 Hubschrauber

SAR Hubschrauberkommando mit DO 27-Sanitätsstaffel mit 4 Ärzten,24 Sanitätssoldaten- KFZ-Staffel mit 5 Sankas,1 Planieraupe,

1 Kranwagen 13 t-Flugplatzfeuerwehr mit 3 Löschfahrzeugen,13 Feuerwehrmänner-Flieger-Soldaten mit 9 Offizieren,9 Unteroffizieren,

30 Mann vom Flugplatz Bremgarten


 84 Mann französische Stationierungsstreitkräfte aus

Müllheim und Freiburg

mit 8 Hubschrauber davon 3 große mit 6 Sitzplätzen

12.Kürassier-Regiment Müllheim mit 5 Offizieren,10 Unteroffizieren,50 Mann-53. Artillerie-Regiment Müllheim mit 2 Offizieren ,2 Unteroffizieren,15 Mann,2 Kranwagen,10 Lastkraftwagen,3 Sankas-3. Gal. Division Freiburg und 7. Gal Division Müllhausen


Die vielen ungezählten Hilfs und Rettungskräfte aus Rheinweiler und Umgebung sind nicht erfasst

 

Es ist mit dem schnellen und umsichtigen Einsatz der Feuerwehren mit zu verdanken, dass vom Zeitpunkt der Katastrophe um 13.20 Uhr ab,

bis zum Abtransport des letzten Verletzten von der Unglücksstelle in die Notaufnahme in der Turnhalle und Krankenhäuser,

 bis um 14.55 Uhr nur 93 Minuten vergangen waren

 

Auszug aus dem DRK Tagebuch

der ersten Stunden

 

 

 

Baronin von Rotberg, Rheinweiler

Vizepräsidentin des Landesverbandes DRK Baden,

ehrt den Kreisbereitschaftsführer Müllheim

Günter Markworth

für seine Verdienste beim Zugunglück

 

die Kurve ...

bei km 250,2

Rheinweiler aus der Luft

links, mit Blick auf den Rhein

und den Kanal im Elsass

die Unglückskurve

die kurvenreiche Strecke durch das Dorf

21.07.11

regnerisch +19°Grad

Gedenkfeier zum 40 jährigen Unfalltag

Mitte,

 Dr. Christoph Hoffmann

Bürgermeister

Bad Bellingen

SWR Fernsehteam

bei Dreharbeiten auf dem Bahnhof Rheinweiler

am Gedenktag des Zugunglück

Presse, Frau Schütz

und SWR Redakteur

Wolfgang Hörter

auf dem Bahnsteig in Rheinweiler

auf dem Weg zum Gedenkstein

von links, H.Seidt Franz Benner, Stächele Karl

Dreharbeiten am Gedenkstein

H.Seidt, Augenzeuge

bei seinen Schilderungen

an der Unfallstelle

Augenzeuge, Franz Benner

im Gespräch

Augenzeuge, Karl Stächele

als erster an der Unfallstelle

21.07.11

Abend 18 Uhr

regnerisch +19°Grad

Gedenkstein

 Dr. Christoph Hoffmann

Bürgermeister

Bad Bellingen

bei der Begrüßung der Gäste

Männerchor

Bad Bellingen-Bamlach-Rheinweiler

-Hertingen

große Anteilnahme

der Bevölkerung

 Eckhart Fricke,

bei seinen  Grußworten

bei der Deutschen Bahn Konzernbevollmächtigter für Baden-Württemberg

Stellvert. Kreisbrandmeister

Werner Schmid

Tunnelfeuerwehr-Kommandant

 Dr. Christoph Hoffmann

bei der Fragerunde mit den Zeitzeugen

Kranzniederlegung

am Gedenkstein

rechts, Heinrich Überwasser

Präsident des Distriktrates

des Trinationalen Eurodistrikts

Mitte Dr. Christhart Heering

Museum Direktor

Augenzeuge

Polizei Direktor

Friedrich Klinkhammer

Bilder Ausstellung im Rathaus

Bad Bellingen

zum Zugunglück

Ernst Lehmann

Polizei Postenführer

in Schliengen

zuständig für das Zugunglück

beim Erzähltreff in Bad Bellingen

bei seine Aufzeichnungen

zum Zugunglück

 

Presse Juli 11

Nachricht vom 29.07.2011

ARD-Reportage von 1971 sorgt für Diskussionen

 

 von links,Hansdieter Seidt

Hauptamtsleiter

Manfred Meier

Hansjörg Weckerlin

und Ernst Lehmann

 

Gespannt verfolgten fast 30 Erzähltreff-Teilnehmer die Bilder-Dokumentation,

die Hubert Maier und Hansdieter Seidt zum Zugunglück in Rheinweiler zusammengestellt hatten.
Foto: Jutta Schütz

 

Großer Andrang beim Erzähltreff mit Schwerpunkt Bahnunglück / Auch französische Streikräfte halfen mit

 

Bad Bellingen

(jut). Für eine eindrucksvolle Bilddokumentation zum Zugunglück in Rheinweiler in chronologischer Reihenfolge gab es spontanen Beifall beim gut besuchten Erzähltreff in der Zunftstube der Bogdemolli. Hansdieter Seidt und Hauptamtsleiter Hubert Meier hatten sich auf die Suche nach Bildmaterial gemacht und erhielten besonders von Karl Stächele und dem ehemaligen Schliengener Polizeipostenleiter, Ernst Lehmann, sowie vom ehemaligen Luftwaffengeschwader Immelmann qualitativ gute Fotos. Lehmann erzählte anhand seiner Fotos, wie er und seine Kollegen von der Polizei den 21. Juli 1971 vor Ort erlebten. Am Anfang war es wie immer, wenn man mittags ganz schnell Unterstützung braucht - niemand war erreichbar, berichtete der frühere Polizist. Lehmann machte sich Minuten nach dem Unfall zuerst ganz allein im Auto auf nach Rheinweiler. Hansdieter Seidt, der von Anfang an als Feuerwehrmann vor Ort war, sind wie Lehmann vor allem die Schwerverletzten, die Arm oder Bein beim Unglück verloren, im Gedächtnis geblieben. Dass es insgesamt nur etwas über 90 Minuten gedauert hat, bis diese Verletzten geborgen und erstversorgt werden konnten, ist umso erstaunlicher, weil der Feuerwehr außer Schneidbrennern keine Hilfsgeräte zur Verfügung standen. Wir haben die Verunglückten zusammen mit Helfern aus dem Dorf, mit französischen Streitkräften, dem THW, dem DRK und der Polizei mit bloßen Händen ausgegraben", sagte Seidt. Ihm, der auch für den Katzenbergtunnel eine eigene Internetpräsenz unterhält, war es gelungen, einen ARD-Filmmitschnitt zu ergattern, der kurz nach dem Unglück gedreht worden war und in dem ein Fernsehteam versuchte, die Unglücksursache mit einer nachgestellten Fahrt herauszufinden. In der Dokumentation wurde gezeigt, dass die damals erst sieben Monate alte Schnellzuglok über eine halbautomatische Geschwindigkeitssteuerung verfügte, deren Schalthebel genau in der Richtung lag, in der der Lokführer auch das Logbuch über die auf bestimmten Streckenabschnitten zu fahrenden Geschwindigkeiten festklemmte. Das bedeutet, dass der Geschwindigkeits-Automatikhebel versehentlich umgelegt werden konnte, wenn der Lokführer die Seiten in diesem Logbuch umblätterte. Fazit der ARD-Redakteure: Wenn es möglich ist, einen Fehler zu machen, wird er auch gemacht. Die wahre Ursache für die viel zu hohe Geschwindigkeit des Zuges von rund 140 statt der vorgeschriebenen 75 Kilometern pro Stunde in der scharfen Kurve bei Rheinweiler wurde nie gefunden. Die Bahn konstatierte, dass der beim Unglück gestorbene Lokführer eventuell gesundheitliche Probleme hatte. Dass der Zug viel zu schnell unterwegs war, war übrigens schon Augenzeugen in Kleinkems aufgefallen, wie Anwesende berichteten.

 

von: pam

22. Juli 2011 17:01 Uhr

 

40 Jahre Zugunglück in Rheinweiler

"Narben sind noch sichtbar"

 

Foto Seidt

Augenzeuge

Polizei Direktor

Friedrich Klinkhammer

 

40 Jahre nach dem Zugunglück von Rheinweiler hat die Gemeinde Bad Bellingen am Donnerstag, 21. Juli, bei einer Gedenkveranstaltung der Opfer gedacht, einen Kranz niedergelegt und Zeitzeugen zu Wort kommen lassen.

 

Auf einmal, erzählt Friedrich Klinkhammer, habe er ein ungeheures Geräusch gehört. Wie ein Düsenjäger im Tiefflug. "Ich habe gesehen, wie die Lok in ein Haus fuhr", sagt er, "und dann sprühten die Ziegel." Es ist Zufall, dass Friedrich Klinkhammer damals in Rheinweiler war – er war damals mit einem Bus voller Polizeischüler auf einer Ausflugsfahrt in der Region unterwegs. Klinkhammer war einer von insgesamt fünf Zeitzeugen, die an diesem Gedenktag berichteten. Die erzählten von Schrecken und Tod, aber auch von spontanen Hilfsaktionen der Einwohner Rheinweilers am 21. Juli 1971.
"Dieser Tag hat das Leben in der Ortschaft verändert", kommentierte Bad Bellingens Bürgermeister Christoph Hoffmann. "Auch 40 Jahre danach ist das traumatische Erlebnis in den Köpfen noch präsent. Die Wunden sind geschlossen, aber die Narben sind noch sichtbar, und die Angst vor Ähnlichem bleibt." Die Bahn sei zwar ein willkommenes Transportmittel in der Gemeinde, trotzdem appellierte Hoffmann daran, die Sicherheit nie aus den Augen zu verlieren – und sämtliche Güterzüge in Zukunft durch den Katzenbergtunnel zu leiten. "Es wäre unverantwortliche Politik, Züge mit Gefahrgut durch unsere Ortschaften rollen zu lassen." Es sei ihm ein "persönliches Bedürfnis, heute hier zu sein", sagte Bahn-Konzernbevollmächtigter Eckart Fricke. "Solch einem Ereignis dürfen wir nicht aus dem Weg gehen." Die Bahn habe in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stets versucht, die Sicherheit zu verbessern. "Die Erinnerung", so Fricke, "verpflichtet uns dazu." Wenige Stunden vor der Gedenkfeier war ein Team des Südwestrundfunks in Rheinweiler unterwegs, um einen Beitrag für die "Landesschau" zu drehen. Im Anschluss an die Kranzniederlegung eröffneten Hoffmann und Christhart Heering, Leiter des Bädermuseums, eine Dokumentation zum Zugunglück im Foyer des Rathauses. Die Chorgemeinschaft Bad Bellingen sorgte für die musikalische Umrahmung.

 

von: pam

22. Juli 2011 17:01 Uhr

40 Jahre Zugunglück in Rheinweiler

 

Bad Bellingens Bürgermeister Christoph Hoffmann und Bahn-Konzernbevollmächtigter Eckart Fricke (von links) am Gedenkstein

Foto Seidt

 

"Narben sind noch sichtbar"

40 Jahre nach dem Zugunglück von Rheinweiler hat die Gemeinde Bad Bellingen am Donnerstag, 21. Juli, bei einer Gedenkveranstaltung der Opfer gedacht, einen Kranz niedergelegt und Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Auf einmal, erzählt Friedrich Klinkhammer, habe er ein ungeheures Geräusch gehört. Wie ein Düsenjäger im Tiefflug. "Ich habe gesehen, wie die Lok in ein Haus fuhr", sagt er, "und dann sprühten die Ziegel." Es ist Zufall, dass Friedrich Klinkhammer damals in Rheinweiler war – er war damals mit einem Bus voller Polizeischüler auf einer Ausflugsfahrt in der Region unterwegs. Klinkhammer war einer von insgesamt fünf Zeitzeugen, die an diesem Gedenktag berichteten. Die erzählten von Schrecken und Tod, aber auch von spontanen Hilfsaktionen der Einwohner Rheinweilers am 21. Juli 1971."Dieser Tag hat das Leben in der Ortschaft verändert", kommentierte Bad Bellingens Bürgermeister Christoph Hoffmann. "Auch 40 Jahre danach ist das traumatische Erlebnis in den Köpfen noch präsent. Die Wunden sind geschlossen, aber die Narben sind noch sichtbar, und die Angst vor Ähnlichem bleibt." Die Bahn sei zwar ein willkommenes Transportmittel in der Gemeinde, trotzdem appellierte Hoffmann daran, die Sicherheit nie aus den Augen zu verlieren – und sämtliche Güterzüge in Zukunft durch den Katzenbergtunnel zu leiten. "Es wäre unverantwortliche Politik, Züge mit Gefahrgut durch unsere Ortschaften rollen zu lassen." Es sei ihm ein "persönliches Bedürfnis, heute hier zu sein", sagte Bahn-Konzernbevollmächtigter Eckart Fricke. "Solch einem Ereignis dürfen wir nicht aus dem Weg gehen." Die Bahn habe in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten stets versucht, die Sicherheit zu verbessern. "Die Erinnerung", so Fricke, "verpflichtet uns dazu."
Wenige Stunden vor der Gedenkfeier war ein Team des Südwestrundfunks in Rheinweiler unterwegs, um einen Beitrag für die "Landesschau" zu drehen. Im Anschluss an die Kranzniederlegung eröffneten Hoffmann und Christhart Heering, Leiter des Bädermuseums, eine Dokumentation zum Zugunglück im Foyer des Rathauses. Die Chorgemeinschaft Bad Bellingen sorgte für die musikalische Umrahmung.

 

Nachricht vom 22.07.2011

Totenstille nach Riesenknall

 

Fernsehteam und Zeitzeugen des Zugunglücks am Bahnhof in Rheinweiler:

Hansdieter Seidt, Franz Benner und Karl Stächele (v.r.). Foto: Jutta Schütz

 

Augenzeugen berichteten gestern einem Fernsehteam vom Zugunglück in Rheinweiler

Bad Bellingen-Rheinweiler (jut). Ein Fernseh-Team der SWR-Landesschau war gestern im Kurort zu Gast, um für die Sendung am 21. Juli mit drei Augenzeugen - Hansdieter Seidt, Karl Stächele und Franz Benner - das Zugunglück am 21. Juli 1971 in Rheinweiler festzuhalten. Dazu filmte das Team den Bahnhof mit dem Gleiskörper in Rheinweiler, bevor man sich zum Gedenkstein an der Kreisstraße am südlichen Ortsrand begab. Im Ort nahm das Fernsehteam Wortbeiträge auf, mit denen Benner, Stächele und Seidt erklärten, wo damals verunglückte Waggons und die Lok lagen. Die Augenzeugen zeigten das ehemalige Feuerwehrhaus, in das man die Toten brachte und die Einsatzzentrale für die Helfer. Benner erzählte, dass er in einem Haus am Bahndamm Fenster strich, als er ein Donnern hörte und die Lokomotive auf sich zufliegen sah: So schnell bin ich noch nie gerannt. Karl Stächele gehörte zu den ersten Helfern, die nach dem Riesenknall und der kurzen Totenstille danach den Katastrophenalarm auslösten und Helferteams organisierten. Hansdieter Seidt wurde von seiner Frau verständigt, die am Bahnhof auf einen Zug wartete und den Knall hörte. Seidt gehörte zu den ersten Feuerwehrleuten, die Verwundete und Tote bargen. Wir sahen, wie die ersten leichtverletzten und Unverletzten sich aus dem Unglückszug befreit hatten und in Rheinweiler herumirrten. Gut für die Helfer war, dass zufällig im Moment des Unglücks auf einem Autobahnparkplatz bei Rheinweiler eine Kolonne der Bereitschaftspolizei hielt. Die hatten Funk und konnten schneller Hilfe anfordern. Gefragt danach, was die drei Männer am Gedenktages empfinden, meinte Stächele: Vergessen kann man das nie. Ich überlege manchmal immer noch, was man falsch gemacht hat und wass man hätte besser machen können. Man habe aber getan, was man konnte.

 

 

Nachricht vom 21.07.2011

"So etwas war nicht Vorstellbar"

 

     

                                           Foto H.Lamp

 

Eisenbahnunglück in Rheinweiler war heute vor 40 Jahren/Feuerwehrmann Hansdieter Seidt erinnert sich

 

Von Claudia Bötsch. Bad Bellingen-Rheinweiler. Auf den Gleisen sitzt ein kleiner Junge und hält die Hände vors Gesicht. Es ist der beste Freund des sechsjährigen Hubert, der  beim Zugunglück von Rheinweiler ums Leben gekommen ist. Ein Fotograf hat diese herzzerreißende Szene im Bild festgehalten, es ging damals bundesweit durch die Presse. Und auch jenes Foto: Helfer suchen in den Trümmern des Hauses nach persönlichen Gegenständen des kleinen Hubert, der eine hält einen Teddy in der Hand. Sie suchen nach persönlichen Erinnerungen für Vater und Mutter, die bei dem Unglück schwer verletzt wurden.   Bilder wie diese haben sich fest in Hansdieter Seidts Gedächtnis eingebrannt. Auch nach 40 Jahren erinnert sich der 71-Jährige noch haargenau an den 21. Juli 1971, den Tag, als Rheinweiler eine Katastrophe erlebte.  An einem heißen Tag im Hochsommer entgleiste hier der Schweiz-Express von Basel nach Kopenhagen.  25 Menschen starben, 121 wurden teilweise schwer verletzt. „Der Schmerz ist bis heute bei vielen in Rheinweiler spürbar“, weiß Bad Bellingens Bürgermeister Dr. Christoph Hoffmann.  Es war in der Mittagszeit. Hansdieter Seidts Frau stand mit der vierjährigen Tochter gerade am Bahnhof und wartete auf einen Zug aus Richtung Freiburg, als sie diesen „Mordsknall“ hörte. Sie spürte, wie die Erde bebte, und sah, wie eine riesige Staubwolke gen Himmel stieg. Die Oberleitungen schwankten. „Um die Kurve sah sie nicht. Meine Frau wusste aber, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.“ Sie rannte nach Hause, den Berg hinauf. Von dort aus konnte sie das Unglück erstmals sehen und das Ausmaß der Katastrophe erahnen. Von Zuhause aus rief sie ihren Mann bei der Arbeit an. 25 Minuten nachdem das Unglück passiert war, kam Feuerwehrmann Seidt an der Unglücksstelle an. Wenn der 71-Jährige heute an der Unfallstelle vorbeikommt, sieht er vor seinem inneren Auge immer noch den Waggon über der Straße liegen. Der Schweiz-Express war mit zu hoher Geschwindigkeit in die scharfe Rechtskurve am südlichen Ortseingang von Rheinweiler gerast. Eigentlich hätte der Zug an der Unglückstelle nur 75 Kilometer pro Stunde fahren dürfen, er war aber fast 140 Stundenkilometer zu schnell. Die Lokomotive und sechs der acht Waggons stürzten eine fünf Meter hohe Böschung hinunter. Ein Waggon fiel auf ein Wohnhaus und machte es dem Erdboden gleich, der sechsjährige Hubert starb. In einem weiteren Haus wurde ein älterer Mann unter den Trümmern begraben. Der Wagen selbst wurde wie eine Blechschachtel zusammengedrückt. Augenzeugen mussten fassungslos dabei zusehen, wie zwei der Waggons,  Spielzeuggleich, durch die Luft flogen. Den Hilfskräften boten sich schreckliche Bilder. Leichter Verletzte und unverletzt gebliebene Reisende suchten nach ihren Angehörigen. Gepäckstücke lagen überall verstreut. Hansdieter Seidt erinnert sich an das „unglaubliche Chaos und Trümmer wie im Krieg. Überall waren Verletzte, schreiende Kinder und hilfesuchende Menschen“, beschreibt er die verheerende Situation. „So etwas konnte man sich nicht vorstellen.“„Die Menschen standen alle unter Schock.  Ich sah Verletzte mit abgerissenen Armen und verwundeten Köpfen. So viele Menschen, die Hilfe brauchten. In einem solchen Moment beschäftigt dich nur eine Frage: Wo fange ich da bloß an?“

Außer ans Helfen habe der Feuerwehrmann in dieser Situation an nichts gedacht. „Man fühlt nur den unglaublichen Stress, unter dem man steht – sonst schaltet man komplett ab.“ Die Männer der kleinen Dorffeuerwehr Rheinweiler unter Leitung des Kommandanten Ludwig Hugenschmidt und Einwohner von Rheinweiler waren als erste Helfer an der Unglücksstelle. Das Problem indes war: „Unsere Hilfsmittel waren sehr, sehr bescheiden.“ So konnten die Feuerwehrleute zunächst nur die Verletzten bergen, und erste Hilfe leisten. Die Situation, so Seidt, sei unglaublich chaotisch gewesen. Es herrschten katastrophale Zustände, am Straßenrand wurden etwa Transfusionen gelegt. Im Feuerwehrraum wurden die Toten aufgebahrt, in der Turnhalle und im Altenheim wurden vorübergehend die Verletzten untergebracht – bevor sie der Hubschrauber in die umliegenden Krankenhäuser brachte. In der Poststelle, die die Frau des Bürgermeisters, Erna Stächele, unterhielt, wurde ein erstes Notrufzentrum eingerichtet. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks wurde für die Rettungsdienste der Umgebung Katastrophenalarm gegeben. Knapp 1000 registrierte Helfer des Roten Kreuzes, des THW, Mannschaften aus der Schweiz und aus Frankreich, französische und deutsche Soldaten waren pausenlos im Einsatz und damit beschäftigt, die Toten und die Verletzten zu bergen. Dazu kommen zahlreiche Helder aus Rheinweiler. Aber auch Schaulustige gab es en masse, erinnert sich Hansdieter Seidt mit Grauen zurück und schüttelt den Kopf. „Eine Sache werde ich nie vergessen“, sagt Seidt. Als er mit Kameraden eine Bahre mit einer toten Frau hinauf zum Feuerwehrhaus trug, kamen immer wieder Schaulustige, die aus schierer Neugier die Plane hoben. „So etwas Pietätloses habe ich nicht mehr erlebt.“ 

Der Pfarrer von Bamlach kam damals zur Unfallstelle und spendete den Verletzten Trost. „Es waren aber so viele, dass er praktisch von einem Schwerverletzten zum nächsten eilte.“ Um die Helfer und deren Psyche kümmerte sich indes niemand. „Das gab es damals noch nicht. Jeder musste selbst schauen, wie er mit dem Ganzen zurechtkommt. “ Noch Jahre später sei das Unglück immer wieder Thema unter den Feuerwehrleuten gewesen. „Wir haben uns sehr oft darüber unterhalten“, so Seidt. Die erste Zeit nach dem Unglück sei die ganze Bevölkerung Rheinweilers unter Schock gestanden. „Es war grauenhaft. Jeder hat irgendwie versucht, das was passiert ist, zu verarbeiten. Zum 40. Jahrestag kommt all das wieder hoch.“ Hansdieter Seidt ist einer der Zeitzeugen, die an der Gedenkfeier in Rheinweiler sprechen werden. Ihm ist wichtig, dass das, was passiert ist, nicht in Vergessenheit gerät. Für sich und seine Kinder hat er darum auch eine Dokumentation des Unglücks erarbeitet, für die er sämtliche Fotos, Zeitungsberichte und Informationen zusammengetragen hat. Ein Jahr hat er daran gearbeitet. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Stück Zeitgeschichte.

Das Thema Bahn und Züge hat Seidt ohnehin bis heute nicht losgelassen. Seit einigen Jahren betreut er die Internetseite über den Katzenbergtunnel, und ist fast jeden Tag an der Baustelle.

 

21. Juli 2011

von: Jutta Schütz

"Die Hilflosigkeit war furchtbar"

 

Foto J.Schütz

 

Ernst Lehmann erlebte Zugunglück von Rheinweiler als Polizist.

 

BAD BELLINGEN-RHEINWEILER. Ernst Lehmann kann sich erinnern, als sei es erst gestern passiert: Am 21. Juli 1971, kurz nach ein Uhr Mittags, klingelte beim damaligen Leiter des Polizeipostens in Schliengen das Telefon. Am Apparat: Edmund Stächele, Bürgermeister von Rheinweiler. "Ernst, komm so schnell du kannst", sagte der mit verzweifelt klingender Stimme, "ein Zug ist bei uns in die Ortschaft gefahren." Vor 40 Jahren entgleiste der Schweiz-Express Basel-Kopenhagen oberhalb des südlichen Ortseingangs von Rheinweiler. Die Lokomotive und sieben Waggons, stürzten die Böschung hinunter und zerstörten mehrere Wohnhäuser, 23 Menschen starben an diesem Tag. Lehmann mobilisierte sofort seine Kollegen aus Schliengen und die Polizei in Müllheim. "Als wir in Rheinweiler ankamen, bot sich ein chaotisches Bild", erinnert sich der Schliengener: Verletzte irrten durchs Dorf, Bürger hatten begonnen, notdürftig Hilfe zu leisten. "Wir waren an die 150 Polizisten und ebenso viele Feuerwehrleute, dazu kamen alle verfügbaren Ärzte aus der Gegend, Leute vom THW und vom Roten Kreuz. Die Bahn hat auch eine Hundertschaft geschickt", erzählt der ehemalige Postenleiter.

Lehmann versuchte zunächst, sich eine Übersicht zu verschaffen und entlang der am schlimmsten zerstörten Wagen und an einem zerstörten Wohnhaus vorbei zu einem erhöhten Punkt an der Eisenbahnstrecke zu gelangen. "Ein Waggon hat sich quasi um ein Haus gewickelt", sagt der 90-jährige Lehmann, "furchtbar". Überall waren Schreie zu hören, Leichenteile lagen in den Trümmern. Ein Erlebnis verfolgt Lehmann heute noch: Dass er einem Mädchen nicht helfen konnte. "Aus einem Waggon kam die Stimme einer jungen Amerikanerin. Sie rief "Help, Help", erzählt er. "Ich konnte sie aber nicht aus den Trümmern befreien, ihr Körper war in verbogenen Eisen-teilen eingeklemmt, es gab keine Chance, sie aus dem zerstörten Abteil zu ziehen. Ich hielt ihre Hände und sprach zu ihr, bis sie gestorben ist. Die absolute Hilflosigkeit war ganz furchtbar für mich."
 

Einige waren nervenstark, andere geschockt und orientierungslos


Eine Sache, sagt er heute, war für ihn erstaunlich: "Viele Einwohner, die nicht unmittelbar vom Unglück betroffen waren, behielten die Nerven und nahmen Kinder, unverletzte oder leicht verletzte Personen mit zu sich nach Hause." Auf der Unglücksstelle begegnete er einem junger Schaffner: "Ich habe versucht, ihn anzusprechen, um zu erfahren, wie viele Leute ungefähr im Zug saßen. Der Mann war völlig geschockt und orientierungslos", sagt der frühere Polizist.Viele ältere Feuerwehrleute, DRK-ler und Polizisten, die den Krieg erlebt hatten wie Lehmann selbst, "funktionierten hingegen einfach", hat der Zeitzeuge beobachtet, "wir Kriegsteilnehmer hatten noch schlimmere Dinge gesehen." Heute, sagt er, würden Notfallhelfer psychologische Unterstützung bekommen – damals hätte man allein mit den Erlebnissen fertig werden müssen.

Die Rettungskräfte sorgten für den schnellen Abtransport von Verletzten, schnitten Löcher in die Waggons, durchsuchten akribisch die Trümmer, forderten Hubschrauber an. "Die tödlich Verunglückten brachten wir zur Identifizierung ins Feuerwehrhaus", erinnert sich Lehmann. Die Helfer sortierten Stoffreste, um sie Personen zuzuordnen und so die Feststellung der Personalien zu erleichtern.Fieberhaft gesucht wurde eine Familie aus Rheinweiler: Die Eltern wurden aus den Trümmern befreit, ihr Sohn, gerade mal fünf Jahre alt, konnte nur noch tot geborgen werden. Ein 90-jähriger Rentner aus Rheinweiler starb bei einem Nickerchen vor seinem Haus – ein Waggon krachte hinein. Der Lokführer hatte keine Chance. Das wurde Lehmann klar, als er die Lok sah: "Sie lag auf dem Kopf und hatte den Führerstand unter sich begraben", erzählt er. Bei ihm zu Hause war die Frau Rösle die Schaltzentrale für alle Anrufe – von Fernsehen, Radio und Presse, von Polizei, Rotem Kreuz und THW. "Sie hatte nur spärliche Informationen. Ich war 48 Stunden im Dauereinsatz und habe überhaupt nicht daran gedacht, sie anzurufen", gesteht Lehmann. Er selbst richtete in Rheinweiler zusammen mit Kollegen eine Einsatzzentrale ein.
Einen Tag nach dem Unglück begann Lehmann zu fotografieren. Die Dias hat er noch. Was er noch sagen möchte? "Ich finde es schade, dass man vielen Helfern, nicht aber der Polizei von offizieller Seite her ein Dankeschön ausgesprochen hat."